Nahlinsen: Maßstab und Motivgröße
B+W Nahlinsen sind Sammellinsen, die die Brennweite des Objektivs
bei gleichbleibendem Auszug verkürzen. Sie können näher an das
Objekt herangehen und ereichen somit einen größeren Abbildungmaßstab.
Eine Verlängerung der Belichtungszeit ist nicht erforderlich.
Kürzestmögliche
Einstellentfernung 
B+W Nahlinsen lassen
sich kombinieren, wobei sich deren Brechkräfte addieren. Die
Brechkraft, ausgedrückt in Dioptrien, ist der Kehrwert der
Brennweite, wobei die Brennweite in Meter einzusetzen ist. So
entspricht z. B. eine Kombination aus einer NL 1 und einer NL 3
einer NL 4. Mehr als zwei Nahlinsen sollten nicht kombiniert werden,
da sonst die Gefahr von Vignettierung und der Beeinträchtigung der
Abbildungsleistung besteht.
Das Scharfstellen
erfolgt auch mit Nahlinse, wie bei Spiegelreflex-
kameras üblich,
unter Beobachtung des Sucherbildes oder auch mittels Autofocus. Die
mit Nahlinse zu erreichenden Aufnahme-
abstände, bzw. die bei
Sucherkameras entsprechend einzustellenden Entfernungen, können sie
aus der Tabelle entnehmen.

Aufgrund der geringen
Schärfentiefe bei Makroaufnahmen empfiehlt sich das Abblenden des
Objektivs um 2 bis 3 Blendenstufen.
Bildqualität bei extremen Nahaufnahmen

Die beste
Bildqualität bei extremen Nahaufnahmen liefern die dafür optimierten
Makroobjektive. Aber die sind teuer. Wer nur ab und zu Blumen-,
Briefmarken- und andere Nahaufnahmen kleinerer Gegenstände machen
will, für den lohnt sich dieser Aufwand kaum.
Als Alternative bieten
sich Vorsatzlinsen oder Zwischenringe an. Vorsatzlinsen sind nicht
nur die fast immer billigere Lösung, sondern bei Abbildungsmaßstäben
bis zu etwa 1:2,5 (= bei kleinster formatfüllender Motivgröße von
etwa 6x9 cm) auch qualitativ besser, weil sie das „fernsichtige"
Objektiv wie eine Brille an den Nahbereich anpassen. Sie haben
gegenüber Zwischenringen zudem den Vorteil, dass kein Lichtverlust
entsteht, da die eingestellte Blende praktisch identisch mit der
effektiven Blende bleibt.
Bei Zwischenringen reduziert die
Auszugsverlängerung die effektive Blendenöffnung stark, was das
Sucherbild verdunkelt und Belichtungs-
korrekturen erfordert.
Es gibt also keinen
Grund, Vorsatzlinsen für eine minderwertige Notlösung zu halten,
sofern die Stärke der Vorsatzlinse (Dioptrienzahl) nicht zu hoch
gewählt und ausreichend abgeblendet wird, was wegen der im
Nahbereich geringen Schärfentiefe ohnehin meistens nötig ist. Bei
Beachtung der Objektiv-Empfehlungen für unsere Vorsatzlinsen gehen
Sie kein Risiko ein.
Kleinste formatfüllende Motivgröße 
Üblicherweise wird
für Objektive, Nah- und Makrozubehör die kürzestmögliche Entfernung
als Leistungsmaß der Makrotauglichkeit angegeben. Dieser Wert sagt
aber über die Abbildungsgröße der Gegenstände nicht viel aus.
Aussagekräftiger ist der erreichbare Abbildungsmaßstab (Verhältnis
Bildgröße : Originalgröße) oder die kleinste formatfüllende
Motivgröße. Beispielsweise gibt ein 35-mm-Objektiv mit der
B+W-Nahlinse NL 2 (= 2 dpt) und Einstellung auf den Skalenwert 0,3 m
in 14 cm Abstand ein etwa 11x16 cm großes Motiv (= Maßstab 1:4,5),
aber ein 100-mm-Tele mit derselben Nahlinse bei Einstellung auf 1 m
in 35 cm Abstand ein mit 8x12 cm noch kleineres Motiv (= Maßstab
1:3,3) formatfüllend wieder.