Künstliche Lichtquellen 1)

Während die spektrale Strahlungsverteilung von natürlichen Lichtquellen einen annähernd stetigen Verlauf zeigt, ist bei Kunstlichtquellen oft eine unregelmäßige Emission festzustellen. Diese Unregelmäßigkeiten müssen nicht unbedingt vom Auge wahrgenommen werden, da sich dieses recht flexibel auf die herrschende Beleuchtung einzustellen vermag und noch relativ kräftige Farbtöne, wenn keine Vergleichsmöglichkeiten vorhanden sind, als weiß anerkennt. Dies ist beim Film oder Sensor nicht der Fall, sie reagieren auf Farbabweichungen recht empfindlich. Man tut deshalb gut daran, sich auch mit den Eigenschaften künstlicher Lichtquellen vertraut zu machen, zumal die verwendeten Lampentypen immer zahlreicher werden. Besondere Vorsicht ist bei Gasentladungslampen, wie z. B. Leuchtstoffröhren geboten.

Glühlampen Halogenlampen Fotolampen Xenonlicht
Leuchtstoffröhren
Quecksilberdampflampen Natriumdampflampen

Die Glühlampen sind Temperaturstrahler mit Farbtemperaturen zwischen 3000 K und 2600 K, je nach Lampenleistung. Der hohen Wattzahl entspricht die hohe Farbtemperatur, der niederen Wattzahl die geringere. Der Wendel von Glüh-lampen besteht aus sehr hochschmelzenden Metallen ( z.B. Osmium, Wolfram ).  Als Füllgas werden meist Edelgase ( z.B. Argon, Krypton ) ver-wendet. Werden die Glühlampen mit Über- und Unterspannung betrieben, ändert sich ihre Farbtemperatur, aber auch ihre Lebensdauer. Ungefähr 90% der Strahlungsleistung von Glühlampen liegt im Infrarotgebiet, das Strahlungs-maximum bei 1000 bis 2000 nm. Der blaue Strahlungsanteil im Licht einer Glühlampe ist dagegen sehr gering.

Der Bezeichnung entsprechend wird in Halogenlampen Fluor, Chlor, Brom oder Jod verwendet. Halogenglühlampen liefern Licht von 3200 K bis 3400 K. Sie sind für manche Kunstlichtfilme ideal, für andere Kunstlichtfilme wärmer Abstimmung wiederum in ihrem Licht zu blau. Wichtig ist, die Farbabstimmung des Films zu beachten, denn es kommen bei Kunstlichtfilmen erhebliche Unterschiede bis zu 3 Dekamireds vor. Die Vorteile der Halogene im Brennraum von Lichtquellen haben zu zahlreichen Variationen geführt. So gibt es Halogen-Metalldampf-lampen mit Tageslichtcharakter 6000 K.

Fotolampen sind eine Glühlampenart mit einer sehr hohen Farbtemperatur von 3200 K. Die geläufige Bezeichnung Nitraphot weist auf das Füllgas Stickstoff ( Nitrogenium ) hin. Der hohen Leistung der Lampe steht ihre relativ kurze Lebensdauer von 10 bis 100 Stunden gegenüber. Auf das Licht von Fotolampen sind die meisten Kunstlichtfilme abgestimmt, so daß bei ihrer Verwendung meist kein Filter notwendig ist.

Die Xenonhochdrucklampe liefert eine dem Tageslicht sehr ähnliche Strahlung von 6000 K. Die Strahlungsleistung ist sehr hoch, deshalb findet Xenonlicht vielfach in Studioscheinwerfern Verwendung. Dessen Wirkungsgrad bei der Arbeit mit Tageslichtfilm ist fünfmal größer als bei Fotolampen; entsprechend geringer ist die Wärmeentwicklung bei gleicher Leistung. Kleinere Lampen dürften auch für Heimstudios interessant sein, da diese Licht nur ganz schwache Filter zur Korrektur erfordert ( UV-Sperrung ).

Leuchtstoffröhren, Floureszenzlampen

Entladungslampen, bei denen ein Gas zur Eigenstrahlung im Ultraviolettbereich angeregt wird. Die entsprechende UV-Strahlung regt ihrerseits einen auf der Innenseite der Glasröhren befindlichen Belag zum Leuchten an. Die Farbtemperatur liegt je nach Beschaffenheit zwischen ca. 3000 - 6500 K. Wegen ihrer häufigen Verwendung stellen sie eine für den Fotografen wichtige Lichtquelle dar. Leuchtstoffröhren sind keine Temperaturstrahler, die spektrale Energieverteilung ist fast bei jedem Fabrikat anders geartet und mehr oder weniger unregelmäßig. Deshalb erhält ein Farbfilm bei Aufnahmen mit Leuchtstoffröhren oft einen Farbstich, der je nach Röhrentyp jeden Tonwert annehmen kann. Besonders unangenehm ist, daß dieser Farbstich das ganze Bild dominiert und alle Farben überlagert. Eine Verbesserung kann hier nur erzielt werden, wenn man den Lampentyp kennt. Ist diese Feststellung nicht möglich, hilft nur eine Testaufnahme. Mit unseren B+W Farbkorrekturfiltern kann dann speziell Abhilfe geschaffen werden. Konversionsfilter sind nur in seltenen Fällen geeignet. Das Problem des Farbstiches  bei Aufnahmen mit Leuchtstoffröhrenlicht verliert aber laufend an Bedeutung, da die Hersteller immer bessere Fluoreszenzbeläge herstellen.

In Aufbau und Funktion der Xenonlampe ähnlich ist die Quecksilberhoch-drucklampe. Auch die Leuchtdichte ist ähnlich. Die geeignete Lichtquelle, wenn hohe UV-Strahlungsleistung gefordert wird. Die Lampe ist auch zur Floureszenzanregung vorzüglich geeignet. Für Straßenbeleuchtungen wird oft die Quecksilberhochdrucklampe verwendet. Man erkennt sie daran, daß nach dem Einschalten die Lampe kurze Zeit mit fahlblauem Licht brennt. Die Quecksilberdamplampen sind keine Temperaturstrahler; die Korrektion kann mit einem UV-Sperrfilter erfolgen.

An Ausfallstraßen großer Städte, speziell an Kreuzungen und Fußgänger-überwegen, wird meist das gelborange Licht von Natriumdampflampen verwendet. Jedem fällt dabei der Kontrast zu den Qecksilberdampflampen mit ihrem grünlich blauen Licht auf. Diese Leuchtkörper strahlen in einem eng begrenzten Spektrum oder in einfarbigem ( monochromatischen ) Licht. In diesen Fällen läßt sich mit Filtern nur schwer eine Veränderung erreichen.


1) "B+W-Filter und Trickvorsätze. Ihre richtige Anwendung für bessere Aufnahmen bei Foto und Film." von Arnold Mellert u. Dietrich Oppitz, 1978, ISBN 3-7949-0319-6 (vergriffen), mit freundlicher Genehmigung des Fachverlags Schiele&Schön


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