Christopher Nisperos

 "Making of" Fotos:
 Florian Kleinefenn

 

Blick zurück nach vorn: Die 50er Jahre“


HINTERGRUNDINFORMATION

Meine ersten großformatigen Porträtaufnahmen mit Schneider-Objektiven machte ich schon im Alter von 16 Jahren (heute bin ich 51). Damals bekam ich eine 4x5 Crown Graphic-Kamera mit 135mm Xenar-Objektiv und meine jüngere Schwester musste mir Modell sitzen, denn die Katze riss immer aus. Die Katze irrte sich gewaltig, denn die Porträts von damals gehören zu den besten, die ich je fotografiert habe! Anfängerglück? Mag sein. Aber ich glaube, eine exzellente Ausrüstung, verbunden mit kundiger Handhabung – und zusätzlich etwas Glück – bringen grundsätzlich hervorragende Ergebnisse. Schneider ist ein verlässlicher Faktor innerhalb einer solchen Kette.

Meine Porträtaufnahmen für die "Making Of"-Webseiten von Schneider stehen unter dem Thema "Blick zurück nach vorn: Die 50er Jahre" und gehen auf meine ersten Einflüsse in diesem Genre zurück, nämlich die Titelseiten von "Life" in den späten 50er und frühen 60er Jahren. Als Knirps konnte ich es nicht abwarten, die jede Woche per Post kommende Zeitschrift durchzublättern und mir alle Bilder anzusehen. Selbst mit jungen Jahren erkannte ich die ausgezeichnete Qualität der dort abgedruckten Porträts. Die Porträts in der Zeitschrift hatten natürlich nichts mit den so genannten "Hollywood-Porträts" im Stile von George Hurrell und der vielen anderen berühmten Namen zu tun, sondern waren einfach nur die damals üblichen redaktionellen Porträts. Philippe Halsmann galt als ein Meister dieses Genres.


GROSSFORMAT-PORTRÄTS DER
50er JAHRE AUS HEUTIGER SICHT

Großformatige Porträtaufnahmen der damaligen Epoche sind gekennzeichnet durch eine bestimmte Anmutung und Mischung ästhetischer Qualitäten, die sich heute nicht ohne weiteres reproduzieren lassen – nicht so sehr in technischer Hinsicht, sondern hinsichtlich des Zeitgeists – weil sie einen aus der Mode gekommenen Geschmack ansprechen. Dieser "Retro"-Look gilt heute zum Teil als kitschig oder sogar komisch ... aber aus genau diesen Gründen finde ich das Genre interessant. Mir gefällt diese Art von Porträtfotografie nicht nur wegen ihrer unfreiwilligen Komik, sondern auch, weil sie wirklich gut ist! In kleineren Formaten fotografierte und mit Softbox oder Schirm beleuchtete Porträts bringen die plastischen Qualitäten des Modells längst nicht so heraus, wie der 50er-Jahre- oder der "Hollywood" Porträtstil. Das kleine Format "macht nicht peng", wie die Franzosen es ausdrücken. Das hat etwas mit dem Kontrastreichtum des Lichts und der Optik zu tun, der in der High-Fidelity des großen Formats festgehalten wird.  

Dieser Stil kann in vielen Fällen gleichzeitig glamourös und banal sein, oder elegant und abge­droschen ... wunderbare Widersprüche, die man heute als visuelle Metaphern für die gesamte Ära selbst betrachten kann. Auf jeden Fall waren die Porträts jener Zeit ein Augenschmaus und meistens gestochen scharf. Also eine perfekte Spielwiese für die Qualitäten eines Schneider Objektivs!

KONZEPT   

Um ein authentisch wirkendes 50er-Jahre-Porträt machen zu können – und als Ausdruck meines humorvollen Umgangs damit – entschied ich mich dafür, die Titelseite einer imaginären Zeitschrift mit dem Titel "Schneider-Kreuznach's LUX Magazine" zu gestalten. Um ein möglichst authentisches "Imitat" zu erhalten, suchte ich mir als Modell eine junge, blauäugige blonde Schönheit aus, die meiner Ansicht nach etwas an Grace Kelly erinnert.

 

Das zweite Foto für "making of" entstand während einer Session, die ich dem unverstellten Porträt eines junge Mannes widmete, den die Aura eines Marlon Brando oder James Dean in den 50er Jahren umwehen sollte. Er wurde zum Teil wegen seiner markanten hohen Wangenknochen gewählt, an denen die Möglichkeiten der Lichtgebung voll ausgereizt werden konnten. Dieses Low-Key-Porträt ist theatralischer als das für LUX-Titelseite.   

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