Portrait Channim Sdoeng, (c) Lucas Einsele
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OSB – Projektkonzept


Ich porträtierte die Minenüberlebenden mit einer Großbildkamera. Ähnliche Großbildporträts waren bereits Bestandteil meiner früheren Fotoprojekte. Nicht nur die besonderen Abbildungsqualitäten des 4x5 Inch Negatives in Verbindung mit einem Porträtobjektiv waren maß-
geblich für diese Entscheidung, auch der Akt des Fotografierens ist
ein anderer und für das gewünschte Resultat wichtig.

Ein Fotoporträt mit solch einer „altertümlichen“, langwierigen Methode anzufertigen, bedeutete , dass die Porträtierten zum Einstellen von Ausschnitt und Schärfe oft minutenlang stillsitzen mussten. Sie durften sich nicht vor- oder zurückbewegen, damit ihr Gesicht im Schärfen-
bereich blieb, der bei offener Blende nur wenig mehr als einen Zenti-
meter beträgt. Durch die relativ lange Brennweite war auch der räum-
liche Abstand zwischen mir und den Porträtierten recht groß, ich selbst verschwand hinter der großen Kamera, verborgen unter dem Dunkeltuch oder manchmal nur dem eigenen T-Shirt. Hinzu kam, dass wir uns mit Hilfe von Dolmetschern oder mit Zeichensprache verständigten.

Kurz: anders als ein „schneller Schuss“ mit der Kleinbildkamera fordert diese Form des Porträts viel Geduld und Kooperationsbereitschaft von allen Beteiligten.

Indem ich eine der (meist zwei) Aufnahmen
auf Polaroidmaterial machte, konnte ich den Porträtierten sofort einen Abzug des Bildes überlassen. So ließ sich ein wesentlicher künstlerischer Aspekt der Arbeit, nämlich ein Tauschhandel an Ort und Stelle realisieren, der die Begegnung für beide Parteien beschließt.


 

Für mich übt diese Form der Fotografie eine besondere Faszination aus. Ihre Präzision verlangt nach Konzentration und verpflichtet den Fotografen und die portraitierten Personen zu einem gemeinsamen Übereinkommen, zu einer engen Kollaboration, damit das Bild gelingt. Ich hatte das Gefühl, wir haben das in intensiven, zum Teil sehr persönlichen und für beide erfreu-
lichen Begegnungen erreicht. Mit einer Großbild-
kamera lässt sich nur sehr selten unbemerkt fotografieren. Schnappschüsse sind darum so gut wie unmöglich.

  Die Menschen sind sich meist bewusst, dass sie fotografiert werden. Die Schwerfälligkeit der Ausrüstung, die Langsamkeit der Methode ebenso wie ihre relativ hohen Kosten fordern eine klare Komposition und eine enge Zusam-
menarbeit mit den Abgebildeten. Das ist kein Nachteil! Das Bild wird von allen Beteiligten gemeinsam inszeniert. Jedes Foto wird zum Ereignis, zu einer kleinen Performance, die im Falle eines Gelingens allen Beteiligten und auch den Zuschauern viel Spaß macht!


 
Portrait Ducko Lukovac, (c) Lucas Einsele
( pdf: 66 kB )



 

 

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