OSB – Ausführung


Als ich im Herbst 2001 meine erste Reise nach Angola vorbe-
reitete, wollte  ich für das Projekt ausschließlich Schwarz-Weiß-
Portraits fotografieren.
Jede weitere fotografische Arbeit in dem unbekannten und mutmaßlich gefährlichen Land, das sich damals überdies noch im Krieg befand, erschien mir zu riskant. Glücklicher-
weise kam es anders. Meine Neugier auf Luena, eine Stadt mit ca. 130.000 Einwohnern im Osten Angolas, deren Bewohner zur Hälfte Flüchtlinge waren und mein großes Interesse für die dortigen (Über-)
Lebensbedingungen war zu groß, als dass ich passiv bleiben konnte. Für den Fall der Fälle hatte ich in Deutschland ca. 100 Blatt Farb-
negativfilm eingepackt. Das erwies sich als wirklich glückliche Ent-
scheidung, denn so konnte ich umherstreifen und einen für mich unglaublich fremden Lebensalltag festhalten.

Interview mit Rebecca Mujinga in Luena, Angola


Mit der Großbildkamera in vergleichsweise unzugänglichen Ländern und zumindest subjektiv gefährlichen Situationen zu fotografieren,
ist nicht unproblematisch. Statt einer kompakten und leichten Aus-
rüstung, die notfalls in einer Fotoweste untergebracht werden kann, müssen das klobige Gehäuse, schwere Objektive, Filmkassetten und Wechselsack, Belichtungsmesser, Polaroidmagazin und außerdem natürlich auch ein solides Stativ mitgeführt werden. Man kann keine unauffälligen oder gar heimlichen Aufnahmen machen, gelegentlich erregt die Arbeit auch das Misstrauen der Zuschauer.




 


 

Ich verwendete in der Regel eine mittlere Brenn-
weite, anfangs ein „einfaches“ Symmar 5,6/150 mm aus den 60er Jahren, kompakt, scharf und unzer-
störbar, später dann ein Super Symmar XL Aspheric 5,6/150 mm, das neben der ausgezeich-
neten Schärfe einen sehr großen Bildkreis und damit erhebliche Verstellreserven hat. Auch das längerbrennweitige Porträtobjektiv Tele-Arton 4,5/270mm eignete sich wegen seiner hochauf-
lösenden  Charakteristik hervorragend.

Schon während des Fotografierens, versuchte ich mir die entstehenden Bilder sehr großformatig vorzustellen. Für die Ausstellungen wurden von den Farbfotografien teilweise Abzüge in Formaten bis zu 140x180 cm angefertigt. Damit sind die Bilder bereits aus größerer Entfernung erkennbar. Nähert man sich ihnen, lösen sich die Bilder jedoch nicht in Unschärfen oder Körnigkeiten auf, sondern es erschließen sich weitere Details, die zum Ver-
ständnis des Bildes beitragen. Bei einigen der Aufnahmen kann der Betrachter selbst im Abstand von wenigen Zentimetern vor dem Abzug noch neue Details entdecken, wie Strukturen von Blättern und Textilien oder Markierungen, die von Minenräumern gemacht wurden, um ein sicheres Gebiet zu markieren.

Vieles was ich sah, ließ sich nicht mit der Großbildkamera fotogra-
fieren. In Angola machte  ich auch die Erfahrung, dass es für mich allein in der kurzen Zeit meines Aufenthaltes nicht möglich war, all
das zu dokumentieren, was mir wichtig war. Ich lud darum meinen Freund und ehemaligen Studienkollegen  Andreas Zierhut, ein, mich
auf den weiteren Reisen zu begleiten.
Seine Fotografien wurden zu einem wesentlichen und umfangreichen Teil des Projektes. Sie wurden nicht nur im Buch zu One Step Beyond abgedruckt, sondern auch in zahlreichen Magazinen publiziert.

 

 

 

Anläßlich einer im Sommer 2007 stattfindenden Ausstellung in Kabul und weiteren Rückreisen in die betroffenen Länder ist eine Broschüre erschienen, in der ausschließlich die Porträts der Minenüberlebenden gezeigt werden. Mit diesem Heft und weiteren Bildern, die zeigen, welche Stationen und Entwicklungen das Projekt mit der Zeit durch-
laufen hat, wie es angenommen wurde, was mit ihm passiert ist, will ich zurückreisen zu den Menschen, mit denen ich vor vielen Jahren die Gespräche geführt habe. Ich hoffe ihnen zeigen zu können, dass, wo und in welcher Form ihr persönlicher Beitrag eine Relevanz hat.

Buch:
Einsele, Lukas,
ONE STEP BEYOND. Wiederbegegnung mit der Mine,
Ostfildern-Ruit:Hatje Cantz 2005, ISBN 3-7757-1604-1,
Auszeichnung: Deutscher Fotobuchpreis 2006/2007.
Verlag www.hatjecantz.com, Autor
www.one-step-beyond.de
 

Begleiter und Fotograf:
Andreas Zierhut

"Making of" Fotos:
Christovao José Mukuyu (Angola),
Andreas Zierhut (Afghanistan, Bosnien-Herzegowina und Kambodscha)


Lukas Einsele

 

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